Bley Kohlfahrt
Das traditionelle Kohlessen ist im Oldenburger Land vor allem ein Gesellschaftsereignis, das schon zu großherzoglichen Zeiten oftmals mit einer Landpartie verbunden wurde.

Dieser Tradition folgen heute viele Vereine, Firmen Familien sowie Straßengemeinschaften und veranstalten in den Wintermonaten ihre Kohl- und Pinkelfahrten.
Die Oldenburger und Ammerländer Gastronomen bieten dafür an festen Terminen Gemeinschafts-Kohfahrten mit Musik und Tanz an.
Kohltour: Beliebte Anlaufstelle ist der Getränkewagen Erst ein ausgedehnter Spaziergang (5-8 Km), bei dem so manches Spiel für ausgelassene Stimmung sorgt, bringt den rechten Kohldampf. Winterliche Kleidung und festes Schuhzeug sind also ein Muss.
Ebenso darf ein stabiler Bollerwagen nicht fehlen. Gute Bollerwagen sind mittlerweile mit Stereoanlage sowie Rundumleuchte und Hupe ausgestattet. Zusätzlich sollten sie viel Platz für Schluck und Bier haben.
Dazu sollte man wissen, dass es Tradition ist, in jeder Kurve oder an jeder Kreuzung einen Schluck zu trinken. 

In der Halbzeitpause werden oft Ammerländer Moorwürmer, Käsewürfel, Schmalzbrote, Kaffee, Tee oder Glühwein gereicht.
Aus Sicherheitsgünden sollten immer einige Personen Warnwesten tragen, denn beim Eintreffen in der Gaststätte ist es oftmals bereits dunkel.

Gegen ca. 19.00 Uhr treffen alle Gruppen in der Gaststätte zum traditionellen Grünkohlessen mit Pinkel, Kochwurst und Kasseler ein.
Nach dem Essen wird in der Regel von jeder Gruppe eine Kohlkönigin und ein Kohlkönig durch diverse Spiele ermittelt. Ursprünglich war das derjenige, der am meisten gegessen hat.
Oftmals werden die Könige auch schon im Vorfeld ausgeguckt.
Die Kohlkönige erhalten einen entsprechenden Orden mit der Auflage, die nächste Kohlfahrt im kommenden Jahr zu organisieren und sollten sich natürlich beim anschließenden Trinken nicht lumpen lassen.

Nach dem Ehrentanz für die Königinnen und Könige heißt es dann Musik und Tanz für Alle.
Ammerländer Trinkspruch:
Ik seh di,
dat freiht mi,
ick supdi too,
dat do.
Prost
Ick hev di
tosopen
häs nen
Rechten
dropen
Die offizielle Kohlsaison ist von Oktober bis Ostern. Unsere Pinkel wird jedoch im Oldenburger Famila und Real ganzjährig zum Kauf angeboten. Auch im Sommer findet Pinkel in herzhaften Erbsen- und Steckrübeneintöpfen sowie Sauerkraut Verwendung.
Jeder Kenner weiß, dass der Kohl erst richtig mundet, wenn Frost über das Land gezogen ist. Der Frost verwandelt die in den Blättern enthaltene Stärke in milde Süße und verleiht dem Kohl seinen unverwechselbaren Geschmack.
Ursprünglich stammt der „brassica oleracea“ ( lat. Name für Kohl) aus dem Mittelmeerraum.
Unser norddeutsches Klima hat wahrscheinlich dafür gesorgt, dass er erst hier zur echten Kulturpflanze wurde. Die raue Witterung konnte der Pflanze nicht nur nichts anhaben, sie wurde durch den Frost erst zur Spezialität.
