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Fleisch- und Wurstwaren GmbH

Bley Grünkohl

Firmengeschichte

Bley Fleisch- und Wurstwaren GmbH

Regionale Spezialitäten aus deutschem Markenfleisch hat sich der Familienbetrieb aus Edewecht auf seine Fahnen geschrieben. Ammerländer Wursttradition seit vier Generationen, denn was Urgroßvater Wilhelm Bley um 1900 mit eigenen Hausschlachtungen startete wird heute mit modernster Technik fortgeführt.

Wilhelm Bley1962 gründete Willy Bley, Metzgermeister der vierten Generation mit seiner Frau Ilse die Landschlachterei Willy Bley in Jeddeloh II.

Schon nach wenigen Jahren wurde die Kapazität des Betriebes zu klein. 1969 wurde der Betrieb um neue Produktionsräume und einen größeren Verkaufsraum erweitert.

Anfang der 70er Jahre wurde ein Partyservice eingeführt. Der ehemalige Verkaufsraum wurde zur „Plattenküche“ (kalte Küche) umgebaut.Für Feierlichkeiten wurde nicht nur das Essen geliefert. Zum Service gehörte auch Geschirr, Getränke, Tischdekoration, Zelt, Bestuhlung und Musik. Rolf Bley im elterlichen Betrieb.

Im Laufe der Jahre wurden der Firma viele Auszeichnungen für die hervorragende Qualität der produzierten Wurstwaren verliehen.

HausschlachtungMitte der 70er wurde die Schlachtung im Hause eingestellt. Der Landwirt Gorke aus Overlahe lieferte Schweine von hervorragender Qualität, die in Edewecht geschlachtet wurden. Die freigewordenen Räumlichkeiten erweiterten die Produktionsräume.

Beide Kinder Rolf und Petra Bley erlernten ebenfalls das Fleischerhandwerk und arbeiteten als Meister im elterlichen Betrieb.

Bei Wettbewerben wurden die Büffets und Partyplatten preisgekrönt. Im Jahre 1986 wurde Petra Bley-Schultz als beste norddeutsche Teilnehmerin beim internationalen Plattenwettbewerb in Frankfurt geehrt.

1979 wurde ein Versand- und Verpackungsraum angebaut.

Aus baurechtlichen Gründen, konnte in Jeddeloh II nicht mehr erweitert werden. Die Räumlichkeiten in Jeddeloh konnten aber mit dem Produktionsbedarf nicht mehr Schritt halten. Hier musste eine Lösung gefunden werden.

Rolf Bley in der SchlachtereiRolf Bley übernahm 1988 den Großhandelsbetrieb. Im Industriegebiet Edewecht kaufte er 8000 Quadratmeter Bauland, dort entstand ein hochmoderner Betrieb, die Bley Fleisch- und Wurstwaren GmbH. Inzwischen hatte Rolf Bley 15 Mitarbeiter und der Absatz wuchs und wuchs. Vorsorglich wurden noch 22000 Quadratmeter Bauland dazugekauft, denn auch der neue Betrieb wurde ständig erweitert.

1993 erhielt Rolf Bley die EG- Zulassung (EV 1558).

Das Fachgeschäft in Jeddeloh blieb weiterhin bestehen.

1998 jedoch entschloss man sich den elterlichen Betrieb in Jeddeloh II zu verkaufen.

Eine der Spezialitäten der Bley Fleisch- und Wurstwaren GmbH ist der Ammerländer Bauernschinken, von Hand gesalzen, in hochmodernen Klimarauchanlagen mindestens drei Monate gereift. Sein herzhaftes Aroma und der kräftige Rauchgeschmack machen ihn zum idealen Spargel-Begleiter.

Ein weiterer Verkaufsschlager wurde Ammerländer Grünkohl. Auch hier liegt das Geheimnis des Erfolges in der traditionellen Herstellung. Er wird heute noch nach dem Rezept von Oma Bley täglich gekocht.

1993 erfolgte die EG- Zulassung mit der EV- Nummer 1558.

Im Januar 2003 wurde die Oldenburger Traditionsfleischerei Hartz übernommen. Die beliebten Artikel Hartz Pinkel, Kochmettwurst und Oldenburger Mockturtle werden weiterhin am Standort Edewecht produziert.

Im Oktober 2003 gelang es die Schweriner Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Schwerin zu Übernehmen.

Im gleichen Jahr wurde in Zeven die Friedrich Roose GmbH übernommen.

Mittlerweile verfügt die Bley Gruppe über Kapazitäten zur Herstellung von 400 Tonnen Wurst pro Woche. Hauptabsatzgebiet ist der gesamte Norddeutsche Raum von Emden bis nach Stralsund und von Flensburg bis Göttingen Produziert werden Rohwurst, Kochwurst, Kochpökelware, Brühwurst, Convenience- Produkte, Salate und Konserven. Besondere Bedeutung haben die regionalen Spezialitäten wie luftgetrocknete Rohwurst, Grünkohl, Kochmettwurst und Pinkel.

Hartz

Chronik vom 10. August 1906 bis 31.Dezember 2002

verfasst von Karl Hartz (bis zum Anfang der vierten Generation)

Abgeschlossen und überarbeitet durch Daniel und Meike Hartz


Prolog


An einem Tag im Februar im Jahr 2005 fand unsere (Ur-)Oma Grete Hartz in einer Schublade ein Schulheft, dem sie erst keine weitere Bedeutung zugemessen hatte. Es war unscheinbar in Folie gehüllt und die Vorderseite war nicht beschriftet. Später nahm sie sich das „Fundstück“ vor, las einige Seiten und stellte fest, dass es sich um eine zeitgeschichtliche Darstellung der Firma Hartz handelte, die sie maßgeblich mitbegründet hat. Geschrieben von ihrem Gatten Karl Hartz, ganz still und leise in irgendeinem Zimmer.
Diese Zeilen sind wirklich zu Schade um in einer Schublade herumzuliegen.
So haben wir diese wirklich aufschlussreichen geschriebenen Worte in einem neuzeitlichen Dokument festgehalten.


Daniel und Meike Hartz


Der Gründer der Fleischerei Hartz war Ernst Hartz, geboren am 24. Januar 1880 in Oldenburg in Holstein. Er war der Sohn des Gutsarbeiters Carl Hartz und der vierte von fünf Kindern; eine Tochter und vier Söhne. Alle Söhne erlernten ein Handwerk. Ernst Hartz erlernte das Fleischerhandwerk in Neustadt in Holstein. Er konnte drei oder vier Jahre lernen. Durch die vierjährige Lehre bekam er die Kleidung gestellt. Als er 1898 ausgelernt hatte, begab er sich mit einem Kollegen auf die damals übliche Wanderschaft. Über Hamburg, Bremen und Delmenhorst ging er nach Oldenburg in Oldenburg. Hier fand er eine Stellung bei dem Fleischermeister Grosse an der Achternstraße. Sein Wochenlohn war 3 Reichsmark. Er gönnte sich jeden Sonnabend davon für 25 Pfennig Bratkartoffeln nebenan im Stedingerhof. Dann konnte er seinen Lohn auf 5 Reichsmark steigern bei dem Fleischermeister Heinrich Gebken in Eversten. Im Jahre 1900 wurde er Soldat bei den 10. Jägern in Goslar. Ganz stolz konnte er erzählen, dass er nach einem Jahr schon Gefreiter wurde. Nach seiner Dienstzeit kehrte er zurück zu seiner letzten Stelle in Eversten. Hier lernte er auch die Mitgründerin Martha Meyer kennen. Sie wurde als Tochter des Domänenpächters der Bodenburg, Gerd Meyer geboren. Nachdem ihre Mutter bereits zwei Jahre nach ihrer Geburt verstarb, folgte ihr Vater nur sehr wenig später, der einer früheren Verletzung erlag. Somit war sie mit sechs Jahren schon Vollwaise. Sie fand dann ein Zuhause bei ihrem Onkel Heinrich Meyer.


Nach der Schulpflicht blieb sie dort und arbeitete auf der Bauerei. Bei ihrem Verkauf von Milch und Gemüse im Schlossgartenviertel lernte sie Ernst Hartz kennen, der mit der Schlachtmulde unterwegs war und Fleisch und Wurst ausbrachte. Am 10. August 1906 wurde geheiratet.

Die Verwandtschaft machte der Waise besonders hohe Geldgeschenke, so das die beiden auf das Haus Bremer-Heerstraße 148 schon eine gute Anzahlung leisten konnten. Es wurden zwei Schweine geschlachtet und ein ½ Rind bekam Ernst Hartz von seinem letzen Meister Carl Lachmann aus Rastede. Es begann eine schwere Zeit für sie. Der Gründer zog mit der bepackten Holzmulde von Haus zu Haus und musste sich viel Nachteiliges anhören. Die eine Hausfrau sagte:“ Nein wir kaufen bei dem .....“ und eine andere: „Wir kaufen bei dem anderen“ oder „Wir schlachten selbst unsere zwei Schweine im Jahr.“ Am meisten deprimierte ihn die Aussage einer Dritten. „ Oh, in dem Hause haben schon drei andere Pleite gemacht.“ Ganz bedrückt kam er mit der halbvollen Mulde zurück. Im Laden war die Tageseinnahme knapp 30 Reichsmark. Die Gründerin kannte noch nichts vom Beruf des Fleischerhandwerks. Sie musste sich von der ersten Kundin, eine Frau Harms von der Bremer-Heerstraße, zeigen lassen, wo die Karbonade (Koteletts) sitzen. Der Umsatz steigerte sich sehr langsam. Nach einem Jahr bekamen sie einen Stand in der Markthalle. Der Umsatz stieg. Jetzt kam aber in der Markthalle eine Konkurrenz. Zwei Ahlhorner Bauern kamen in blauen Kitteln und hauten ihre Schweine und Rinder aus. Der Gründer zog auch einen Blauen Kittel an, wie die Bauern und machte in den Preisen mit. Es ging dann sehr viel besser! Als die Bauern wieder aufhörten, blieb er noch lange Zeit ein „Ahlhorner Bauer“ mit gutem Umsatz. Ein schwerer Unfall unterbrach den steigenden Umsatz. Der Gründer fiel rückwärts durch eine offene Luke direkt in den Keller und brach sich mehrere Rippen. Das geschah im September 1911 und er musste 3 Wochen die Brüche ausheilen lassen. Er war froh, dass Ihm dieses Missgeschick nicht im Winter passiert war. Denn ab November machte er viele Hausschlachtungen bei Bauern und auch sehr viele bei Privatleuten. Morgens wurden 5-6 Schweine geschlachtet und abends, wenn sie ausgekühlt waren, wurden sie zerlegt. Er war sehr beliebt wegen seiner Sauberkeit und Schnelligkeit, außerdem konnten die Kunden sich die übliche Flasche Schnaps sparen, weil der Schlachter nur eine Tasse Kaffee trank. Für die schwere Arbeit erhielt er zwischen 1,80-2,00 Reichsmark, die bei Eis, Schnee, Sturm und Regen ausgeführt werden musste. Der erste Geselle und eine Hausgehilfin konnten 1912 eingestellt werden. An Silvester im Jahr 1907 wurde der Nachfolger Karl Hartz geboren und im Jahr 1911 noch eine Tochter.

Das Geschäft lief gut bis ins Jahr 1914, als der 1.Weltkrieg ausbrach. Am 2. August, dem ersten Mobilmachungstag, wurde Ernst Hartz eingezogen. Einen Tag später das schöne Pferd. Martha Hartz mit ihren 28 Jahren und zwei Kindern (7 und 3 Jahre) hatte den Mut, das Geschäft weiter zu führen. Der Markthallenstand wurde vorläufig aufgegeben. Später wurde die ganze Markthalle geschlossen. Alle Nahrungsmittel wurden zugeteilt und auf Marken verkauft. Sie war die einzige Frau von den Oldenburger Schlachtermeistern, die den Betrieb alleine weiterführte. Obgleich andere alleinstehende Frauen den Laden schlossen, „Kriegsunterstützung“ bezogen und einen ruhigen Tag verlebten, machte sie weiter. Schon ein Jahr später mussten diese Frauen im Munitionslager in Ofenerdiek arbeiten. Martha Hartz hatte schwere Kriegsjahre durchgemacht. Zweimal war ihr Mann vermisst und einmal als gefallen gemeldet. Sie schaffte weiter, brachte große Mengen Fleisch am Fahrrad in die Stadt. Die Mittagstische, Gastwirte und Kunden aus der Markthalle waren ihr treu geblieben. Auch der Sohn Karl musste mit acht Jahren schon mit seinen gleichaltrigen Freunden schwer beladene Handwagen mit Fleisch vom Schlachthof holen. Die Wurst bezog Martha Hartz von einem älteren Kollegen an der Cloppenburger Straße. Der Krieg ging zu Ende. Der Gründer Ernst Hartz kehrte im Dezember 1918 zurück.

Von Frankreich bis Hannover mit einem Pony und einem Dogcart (Zweiradwagen) wurde er in Hannover entlassen. Er konnte ein Pferd ersteigern und kam 6 Tage später damit in Oldenburg an. Die glückliche Ehefrau hatte durch die vielen seelischen und körperlichen Belastungen schneeweißes Haar mit ihren 32 Jahren bekommen. Das Geschäft war schwer wieder aufzubauen. Es gab noch keine Ware und die Inflation tat ihr übriges dazu. Die Preise gingen in die Millionen, selbst Milliarden und Billionen Geldscheine gab es. Etwas Ruhe kehrte ein, als man mit den Roggenscheinen begann. Die Arbeitslosigkeit stieg auf 5 Millionen. Inzwischen war der Sohn in die Lehre gekommen. Er lernte im elterlichen Betrieb. Nach bestandener Gesellenprüfung zog es ihn hinaus. Seine erste Stellung nahm er bei einem Fleischermeister in Hamburg-Barmbeck an. Sein erster Wochenlohn war 25 Reichsmark bei freier Kost. Ein Zimmer musste er sich selbst suchen. Bei einer Witwe im vierten Stock fand er eins für 5 Reichsmark. Der Meister steigerte den Lohn pro Woche um 5 Reichsmark, sodass er nach fünf Wochen schon 45 Reichsmark verdiente. Das war damals sehr viel Geld. Ein Fahrrad oder ein Anzug kostete damals cirka 45 Reichsmark. Nach einem Jahr ging er zur Fleischerfachschule nach Osnabrück, darauf für ein paar Monate wieder in den elterlichen Betrieb. Als sein Vater die, vom Sohn neu eingeführten, Methoden nicht annehmen wollte, ging er wieder fort nach Hamburg. Mit 85 Reichsmark in der Tasche kam er in Hamburg an. Nahm ein Zimmer für 5 Reichsmark und suchte Arbeit. Es war nicht leicht. 1200 arbeitslose Schlachter gab es in Hamburg. So zog der Sohn Karl vom Gründer von Betrieb zu Betrieb, bekam nur ein „Nein“ und manchmal ein Stückchen Wurst. Auf dem Nachhauseweg guckte er bei einem Autohallenbau zu. Er wurde von einem Maurer angesprochen, ob er nicht mithelfen wolle. Selbstverständlich sagte er sofort zu. Denn die einzige Habe waren ein paar Mark und um zuhause um Geld zu betteln, war er zu stolz. Mit 1,16 Reichsmark Stundenlohn machte er es 10 Wochen mit. Er hatte es nicht versäumt auf den Stellen immer wieder anzufragen, die ihm eine Einstellung eventuell für später zugesagt hatten. In Altona fand er eine Stellung in einer kleinen Wurstfabrik. Es wurde dort eine sehr gute Wurst hergestellt. Er war sehr froh bei der enormen Arbeitslosigkeit eine Stellung gefunden zu haben. Aber nicht nur das. Ihm waren bei der Arbeit auf dem Bau die weichen Schlachterhände kaputt gefressen. Die Maurer nannten es „Zementkrätze“. Sie heilten in dem vielen Salzwasser sehr schnell wieder; aber schmerzlich. Leider musste er auf dieser Stelle schon nach einem knappen Jahr wieder in den elterlichen Betrieb zurück, weil der Vater erkrankt war. Nach einem halben Jahr begann er in Edewecht in einer Namenhaften Wurstfabrik eine neue Arbeitsstelle. Als diese Konkurs machte, besuchte er die Fleischerfachschule in Frankfurt. In Oldenburg machte Karl Hartz 1932 seine Meisterprüfung.

Im Jahre 1934 heiratete er Grete Kläner, Tochter des Bautischler- und Zimmermeister Friedrich Kläner in Tweelbäke. Karl Hartz und Frau übernahmen dann am 01. März 1936 das Geschäft auf ihre Rechnung. Der erste Wocheneinkauf bestand aus vier Schweinen und einem Rind. Der Einkauf belief sich auf 1440 Reichsmark den die Geschäftsbücher heute noch aufweisen. Auf dem Wochenmarkt halfen die Eltern noch fleißig mit. Nach drei Jahren war die wöchentliche Schlachtung schon zweiundzwanzig Schweine und drei Rinder. Leider wurde der Aufstieg durch den zweiten Weltkrieg wieder gestoppt. Schon am 28. Januar 1940, einen Tag nach der Geburt seines zweiten Kindes, einer Tochter, musste der neue Inhaber Soldat werden. Seine Ehefrau Grete machte mit ihren Schwiegereltern und einem langjährig bewährten Gesellen, Gerd Mönnich, weiter. Als letzterer auch noch eingezogen wurde, stellte der Viehwirtschaftsverband einen U.K. Antrag auf Freistellung für den Inhaber Karl Hartz, denn der Betrieb von Hartz war als Wehrbetrieb herausgestellt worden. Nach mehreren Anträgen schaltete sich das Wehrbezirkskommando ein und innerhalb 24 Stunden musste man ihn entlassen. So ganz froh sollte er nicht werden, denn dreimal musste er sich wieder stellen. Einmal war er schon im Zug auf dem Oldenburger Bahnhof, als man ihn in letzter Minute noch durch Lautsprecher herausholte. Der Obermeister der Fleischerinnung, bat Karl Hartz als stellvertretenden Obermeister, hin und wieder nach seinem Betrieb zu schauen, da er selbst eingezogen wurde. So ging er schon kurz darauf in den Betrieb und musste feststellen, dass die Gesellen verbotenerweise Därme mit abgekocht hatten. Kurz darauf fuhr die Gestapo in der Bremer-Heerstraße vor und nahm Karl Hartz fest, weil diese ihn dafür verantwortlich gemacht hatten. Er sollte für diese Missetat, die er aber nicht zu vertreten hatte, zur Rechenschaft gezogen werden. Er stand schon an der Wand, die Gewehre auf ihn gerichtet, da wurde der Befehl zu Schießen in letzter Sekunde zurückgenommen, weil unter anderem sein Unternehmen ein Wehrbetrieb war. Diese schreckliche Erfahrung, dem Tod so nah ins Auge zu sehen, konnte er Zeitlebens nicht verwinden und hatte tiefe Spuren hinterlassen. Die ersten Bomben fielen auch schon auf Deutschland. Karl Hartz beschäftigte zu der Zeit fünf Nationen; Holländer, Franzosen, Russen, Weißrussen und Polen, männlich und weiblich. Fast jede Nacht kochten sie 1100 l Essen für ausgebombte Städte und tagsüber machten sie die normale Arbeit. Es war viel schwerer, als Soldat zu sein. Als Feuerung gab es nur Schlammkohle, die nicht brennen wollte. Strom wurde ewig ausgeschaltet. Fliegeralarm gab es fast jede Nacht. Die ihm zugeteilten Frauen der N.S.V. krochen in den Bunker, er musste heizen und die Erbsensuppe rühren, damit sie nicht anbrannte. Am anderen Morgen kam eine Lastwagen und brachte das Essen in die jeweils bebombte Stadt. In Wilhelmshaven, Bremerhaven, Bremen, Emden und Hamburg gab es die meisten Betroffenen. Mit geringen Zuteilungen, viel Schwarzblechkonserven, ging dann der Krieg zu Ende. Betriebliche Anschaffungen konnte man nicht machen. Es gab nichts. Die Inflation brachte alles wieder in die Höhe. Im Juni 1948 kam die Deutsche Mark als Währung. Alles ersparte war dahin.


Es begann ein neuer Anfang. Neuer Fleiß und neues Leben wurde wieder eingesetzt. 1952 überstieg der Umsatz zum ersten mal eine Million. Auf Grund des eingerichteten Betriebes bekam die Firma Hartz ohne Preiseinreichung die Bundeswehrbelieferung. Damit wurde der Umsatz auf zwei Millionen gesteigert.


Durch stetiges Erweitern des Betriebes und Umbau des Ladens, stieg der Umsatz weiter an. Durch Zukauf und Abbruch des Nachbarhauses konnte der Betrieb nochmals erheblich erweitert werden.


Wie der Gründer, wurde 1935 wieder ein Ernst Hartz in Oldenburg geboren. 1949 trat nun auch er, die dritte Generation, bei seinem Vater in die Lehre ein. 1952 ging er nach bestandener Gesellenprüfung zu einem Kollegen nach Wildeshausen. Nach einem Jahr fand er in Braunschweig in einem sehr guten Betrieb eine Stellung. Durch den guten Familienkontakt blieb er länger als vorgesehen war. Danach ging er in die Schweiz. Dort arbeitete er eine Saison in einem Kurort als Geselle.

Nach der Rückkehr in den elterlichen Betrieb, hielt es ihn nur 2 Monate an diesem Ort. Es zog ihn nach Südwestafrika. In Walfishbay und in Windhouk war er bei deutschen Fleischern 1 ¼ Jahr beschäftigt.

Nachdem er nun in seinem Beruf viel gelernt hatte, kehrte Ernst nach Deutschland zurück und besuchte die Fleischerfachschule in Frankfurt. Dort machte er 1959 mit gutem Erfolg seine Meisterprüfung. Nun trat die dritte Generation, zunächst als Mitarbeiter, in den elterlichen Betrieb ein.

Im Jahr 1962 heiratete er Hildegard, geborene Müürmann aus Ostfriesland.

1965 wurde er Teilhaber der Firma. Der immer steigende Umsatz erforderte nochmals einen Erweiterungsbau. 1971 wurde der Betrieb auf Hochdruckdampf umgestellt. Ein Wendeautoklav zum Kochen und Sterilisieren der Konserven wurde angeschafft. Zwei große Kessel mit 700 l Inhalt werden mit Dampf beheizt. Universalschränke in denen man kochen, braten und zugleich räuchern kann, wurden aufgestellt. Keine Wurstmasse wird noch mit den Händen berührt. Die Maschinen beladen und entladen sich automatisch. Die Vakuumverpackungsstraße wird durch zwei Frauen bedient. Tausend Würste sind in kurzer Zeit verpackt. Die neuen Maschinen sind alle aus Nirosta hergestellt. Eine moderne Reinigungsmaschine sorgt für die Sauberkeit und Hygiene im Betrieb. Ab dem 01.Januar 1981 wurde die Firma in -Ernst Hartz Fleischwarenfabrik GmbH- umbenannt. Der Senior Karl Hartz trat im 74. Lebensjahr aus und seit dem war sein Sohn Ernst Hartz alleiniger Inhaber. Im Sommer des gleichen Jahres wurde das 75. Geschäftsjubiläum gefeiert. Mit seiner Frau trägt er jetzt die Verantwortung. Langjährige Angestellte stehen ihm bei mehreren Millionen Umsatz zur Seite. Die vierte Generation, Karl-Ernst Hartz (der eigentlich den Namen Jens bekommen sollte), wurde im Jahr 1963 geboren. Der Senior bestand darauf, dass der Enkelsohn den Namen Karl-Ernst bekam. Mit einem dreitägigen Hungerstreik schließlich, setzte er sich durch. Karl-Ernst hatte am 01.12.1980 im elterlichen Betrieb die Fleischerlehre begonnen. Nach einem halben Jahr hat er den Lehrbetrieb gewechselt und bei der Fleischerei Schröter noch ein paar Monate Kenntnisse im Fleischerhandwerk dazu erworben. Als im Jahr 1983 Ernst Hartz schwer erkrankte, ist er zurück zum elterlichen Betreib und hat nach nur 16 Monaten Lehrzeit seine Gesellenprüfung absolviert. Im Frühjahr 1984 verstarb Ernst Hartz an seiner Erkrankung. Durch eine Sondergenehmigung wurde es Karl-Ernst Hartz ermöglicht, an der Meisterprüfung im Fleischerhandwerk nach nur einem Gesellenjahr teilzunehmen. Innerhalb von sechs Wochen schloss er seine Meisterprüfung mit der Note 1,7 ab. Der Betrieb wurde nun von Hildegard Hartz, mit der Hilfe eines langjährigen und treuen Mitarbeiter weitergeführt. Ohne die Hilfe von Hermann Porath, hätte sie das wohl kaum geschafft. Er unterstützte den jungen Meister mit seinen Erfahrungen, Fertigkeiten und seiner Tatkraft.

Karl-Ernst Hartz wurde in den 90ern Teilhaber des Unternehmens. Im Jahr 1995 entschloss sich Hildegard Hartz noch einmal zu einem großen Schritt und baute den Verkaufsraum komplett um. In der Zeit des Umbaus ist im Uhlenweg ein Verkaufswagen aufgestellt worden, aus dem weiterhin die Fleisch- und Wurstwaren verkauft wurden.

Nach einer Umbauzeit von nur 8 Wochen, erfolgte die Neueröffnung.

Durch den Umbau erhielt der Laden eine wesentlich längere Ladentheke, so dass sich auch das Warensortiment um einiges vergrößerte.

Eine Käsetheke und das Angebot frischer hausgemachter Salate erweiterte sich. Zusätzlich entstand eine „heiße Theke“ aus der ein täglich wechselnder Mittagstisch angeboten und von der Kundschaft mehr und mehr angenommen wurde. Der Mittagstisch boomte und es mussten zusätzlich zwei Küchengehilfinnen eingestellt werden, die kreativ und lecker, manchmal im Akkord, verschiedene Gerichte kochten. In der Grünkohlzeit war es Mittags zeitweilig so voll im Geschäft, das Kundschaft mit leerem Magen und unverrichteter Dinge, den Laden wieder verlassen hatten. Das gab der Firmenchefin 1998 den Anstoß noch ein letztes mal umzubauen. Die Wand zum ehemaligem Chefbüro wurde durchbrochen und so entstanden zusätzliche Sitzgelegenheiten. Der sogenannte „Blaue Salon“. 2001 wurde in Deutschland der Euro eingeführt. Hildegard Hartz war mittlerweile kurz vor dem Rentenalter und musste sich Gedanken um die Weiterführung des Geschäftes machen. Der Gesamtzustand des ganzen Geschäfts- und Produktionskomplexes war als marode zu bezeichnen. Sämtliche Wasserleitungen waren mit der Zeit brüchig und porös geworden. Der Heizkessel, der das ganze Unternehmen beheizte und das Warmwasser zur Produktion lieferte, hätte auch erneuert werden müssen. Einige Dächer waren nicht mehr dicht. Durch das Veterinäramt wurden auch diverse kostenintensive Umbauten verlangt. Karl-Ernst Hartz war die Verantwortung und Investition zu groß um das Geschäft alleine fortzuführen. Mit der zweimaligen Verlängerung des Veterinäramtes, wurde das Geschäft bis zum 31.12.2002 weitergeführt und an diesem Tag für immer geschlossen.

Die Firma Bley Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Edewecht hat 2003 den Namen, die langenjährigen Mitarbeiter und die Rezepte der Firma Hartz übernommen und produziert und vertreibt die altbewährten Hartz- Produkte im regionalem Handel.

Die Oldenburger Hartz Mockturtle, die Pinkel, Kochwurst, Hackgrütze und Blutballen erfreuen sich auch heute noch im Handel und im Online- Shop großer Beliebtheit. Karl-Ernst Hartz arbeitet seit 2003 bei Firma Bley im Ein- und Verkauf.

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